Burgen im Harz

Nur noch wenige der einst über 500 Burgen im Harz sind nahezu vollständig erhalten. Dienten sie einst dem Schutz vor gewaltsamen Übergriffen, sind sie heute durch Touristen aus aller Welt leicht zu „erobern“. In ihrem Innern stößt der Besucher oft auf ein vielfältiges kulturelles Angebot. Vor allem bietet sich hier „Geschichte zum Anfassen“ und die Möglichkeit für den besonderen Moment: Wie wäre es zum Beispiel, sich am Fuße eines jahrhundertalten Bergfrieds das „Ja-Wort“ zu geben? 

Burg Falkenstein

Hohe Mauern, mehrere Burgtore und ein Vorhof – die gut erhaltene Burg Falkenstein zeigt ihre Wehrhaftigkeit bis heute. Oft wurde sie in ihrer langen Geschichte angegriffen, mehrfach umgebaut – doch nie eingenommen.

Entstanden ist der imposante Bau im 12. Jahrhundert, als die Grafen von Konradsburg sich hoch über der Selke ein neues Domizil errichteten und sich fortan nach dem neuen Stammsitz Falkenstein nannten.

Der Ritter Eike von Repgow verfasste hier auf Einladung von Graf Hoyer II. von Falkenstein zwischen 1202 und 125 den berühmten Sachsenspiegel, das erste deutsche Rechtsbuch. Es bildet eine der wichtigsten Quellen mittelalterlichen Rechts, die in zahlreichen Handschriften Verbreitung fand.

Heute stellt die Burg aufgrund ihres „typischen“ Burgencharakters eine der größten touristischen Attraktionen im Harz dar. Im Kern der Anlage befindet sich ein Museum mit Möbeln, Gemälden, Waffen und Rüstungen. Besonders sehenswert sind der Rittersaal, die mittelalterliche Küche und die Burgkapelle. Vom 31 Meter hohen Bergfried bietet sich eine imposante Aussicht auf das Umland. Im mittleren Hof wird seit einiger Zeit wieder die uralte Kunst der Falknerei betrieben. Und auch Heiratswillige kommen zum Zuge: Im altehrwürdigen Königszimmer können sie sich das Ja-Wort geben. Die örtliche Gastronomie ermöglicht es dem Besucher, beim traditionellen „Ritteressen“ regelmäßig in alten Zeiten zu schwelgen.

Lage/Anfahrt:

Von Meisdorf aus über einen teilweise beschwerlichen Weg durch das Naturschutzgebiet Selketal hinauf zur Burg (5km). Wer es etwas bequemer mag, fährt mit dem Auto bis zum Parkplatz am Gartenhaus. Für die verbleibenden 2 km können ab hier Pferdekutsche oder Bimmelbahn genutzt werden.

Öffnungszeiten:

April – Oktober tgl. 10 bis 18 Uhr
November – März tgl. außer Montag 10 bis 16.30 Uhr

Burg Roseburg

Die Roseburg ist Sachsen-Anhalts jüngste Burg: Sie wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts nach den Plänen desArchitekten Bernhard Sehring gebaut, der sich damit einen Lebenstraum erfüllte. Der romantisch-verspielte Charakter des Bauwerkes spiegelt sich besonders in den zahlreichen Türmen, in Palas, Wehrgang und Torhaus mit Zugbrücke sowie den diversen Kunstwerken im Park wider. Überhaupt, der Park: Mit seinen verschlungenen Wegen, seltenen Bäumen und Wasserläufen lädt er zum herrlichen Lustwandeln ein. Und hält dabei ob unterirdischer Gänge auch manch Überraschung parat.

Das „Märchenschloss“ selbst wird nach einem Besitzerwechsel derzeit umfangreich saniert, nachdem lange Jahre der Putz bröckelte und im Innern eher DDR-Charme versprüht wurde. Der Park und ein Cafe sind zwischen April und Oktober täglich geöffnet.

Lage/Anfahrt:

Die Roseburg liegt zwischen Gernrode und Ballenstedt und ist direkt mit Auto/Bus/Fahrrad zu erreichen. www.roseburg-harz.de

Katlenburg

Eine Burg als Hort des Wissens und der Bücher? Warum nicht! Die Katlenburg im westlichen Harzvorland beherbergt seit 1990 rund eine halbe Million alte Bücher, vor allem aus DDR-Restbeständen. Sie werden gegen eine Spende zugunsten von „Brot für die Welt“ abgegeben. Diese Aktion hat der Burg mittlerweile den Beinamen „Bücherburg“ eingebracht – und überregional bekannt gemacht. Der Initiator der Aktion, Pfarrer Martin Weskott, erhielt das Bundesverdienstkreuz.

Die Katlenburg liegt auf einer schmalen, langen Bergzunge – auf dem namensgebenden Katelberg. Die beiden Langseiten des Burgberges, in dessen Bereich nicht weniger als vier Flüsse und Bäche zusammentreffen, fallen teilweise bis zu 50 Meter steil in die Flußniederung ab. Ohne größere Hindernisse ist eine Annäherung daher nur über das Bergplateau von Süden möglich. Unterhalb der Burg verlief im Mittelalter die bedeutsame Nordhäuser Heerstraße nach Leipzig, über die der Verkehr vom Rheinland nach Thüringen führte.

So malerisch sich das Ensemble der Aufbauten dem Betrachter auch darbietet – die Gebäude auf dem Burgberg bilden heute keine einheitliche Gruppe aus einer Stilperiode mehr. Zerstörungen, Plünderungen und Umbauten haben die Anlage nachhaltig verändert. Die einzelnen Gebäude sind locker über das Plateau des Berges aufgegliedert. Mittelpunkt der Anlage ist die Kirche als einstige Schlosskirche mit Krypta.

Entstanden ist die Burg im 11. Jahrhundert durch die Grafen von Katlenburg. Sie wurde im 11. Jahrhundert in ein Kloster zu Ehren des Evangelisten Johannes umgewandelt. Nach Rückschlägen durch einen verheerenden Brand, eine Pestepidemie und Brandschatzungen im 14. Jahrhundert wurde das Kloster im Zuge der Reformation 1534 säkularisiert. Während des Dreißigjährigen Krieges eroberte der kaiserliche Feldherr Tilly die Burg. Der Rückeroberer Christian von Wolfenbüttel ließ 1626 Schloss und Kirche in Brand stecken. Im Siebenjährigen Krieg entweihten 1761 französische und sächsische Truppe die Schlosskirche.

Erst 1819 endete die kriegerische Geschichte der Burg: Es entstand eine königliche Domäne, die letztlich bis 1950 als staatliche Domäne bestand. Seitdem haben verschiedene kirchliche und gemeinnützige Einrichtungen ein Domizil auf der Katlenburg gefunden – doch bekannt ist sie weiterhin vor allem als „Bücherburg“.

Konradsburg

Die Konradsbug liegt 3 km südlich von Ermsleben auf einer über 200 Meter hohen Bergnase mit steilen Abfällen nach drei Seiten. Ausgrabungen haben ergeben, dass diese Hochfläche bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war. Einst zum Schutze des Reichsgutes Harz erbaut, erinnern heute allerdings weder Türme noch ein Bergfried oder Palas an die einstige Wehrhaftigkeit der Anlage.

Bauherr und Baujahr der Konradsburg sind unbekannt. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1040. Das Schicksal der Burg entschied sich maßgeblich um das Jahr 1120: Damals verließen die Konradsburger ihre Burganlage, um im Selketal die Burg Falkenstein zu errichten. Die Konradsburg wurde in ein Benediktinerkloster umgewandelt – sie entwickelte sich für die folgenden Jahrhunderte zu einem geistigen und wirtschaftlichen Zentrum des Umlandes. Nachdem die Benedektiner das Kloster aufgegeben hatten und Karthäusermönche nicht an vergangene Blütezeiten anknüpfen konnten, wurde das Kloster 1525 im Bauernkrieg teilweise zerstört. Anschließend diente es Wohnunterkunft, bevor Anfang des 18. Jahrhunderts eine vermehrte landwirtschaftliche Nutzung einsetzte – die letztlich bis 1945 bestand und starke Schäden an der Bausubstanz verursachte. Von spätrömischen Basilika sind nur noch der Hohe Chor und die darunter befindliche Krypta erhalten. Letzte gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke spätromanischer Architektur im Harz.

Viele Veranstaltungen zwischen Ostern und Weihnachten prägen heute das Burgenleben. In einer Galerie werden wechselnde Ausstellungen gezeigt. Die Galerie mit Cafe zeigt aktuelle Kunst aus der Region. In der „Schwarzen Küche“ kann mittelalterlich gespeist werden.

Lage/Anfahrt/Kontakt:

Die Burg ist von Emsleben aus mit dem Auto über die Konradsburger Straße zu erreichen. (3km)

Öffnungszeiten:

April – Oktober: 10 bis 17 Uhr
November – März: 10 bis 16 Uhr

www.konradsburg.com

Burg Lohra

Eine „Perle“ mit bewegter Geschichte: Die Burg Lohra ist nicht nur die größte Burg des südwestlichen Vorharzes, sondern als Grafenburg aus staufischer Zeit erstaunlicherweise fast vollständig erhalten. Und dies, obwohl viele Besitzer sich die Anlage mit Gewalt nahmen und diverse Umbauten einleiteten.

Urkundlich erwähnt wird die Burg das erste Mal 1116. Als Bauherr gilt die Grafenfamilie von Lare. Sie erweiterten die gewaltige Anlage systematisch bis zu einer Gesamtausdehnung von 140 mal 240 Metern. Nachdem das Geschlecht der von Lare Mitte des 13. Jahrhunderts ausgestorben war, übernahmen die Grafen von Beichlingen Herrschaft und Burg. Später mussten sie Anteile an die Grafen von Hohnstein verkaufen, die bis Mitte des 16. Jahrhunderts dort residierten. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg schließlich mehrfach erobert, zerstört und wieder aufgebaut. Ab 1701 wurde sie als Domäne bewirtschaftet, was die Errichtung mehrerer landwirtschaftlicher Gebäude zur Folge hatte, die die Burg noch heute prägen. Bei den zahlreichen Umbauten diente dabei vermehrt die Kernburg als Steinbruch, so dass vom einst imposanten Bergfried heute nur noch ein Stumpf erhalten ist.

Nachdem die Burg ab 1977 völlig leer stand, kam es nach 1990 zu Sicherungs- und Sanierungsarbeiten. Seit 1992 wird die Burg durch das Weimarer „Netzwerk Offene Häuser“ betreut. Sie dient als Begegnungsstätte und Ort für Workshops und diverse künstlerische Aktivitäten. Das kunstgeschichtlich wertvollste Zeugnis ihrer Vergangenheit ist die romanische Doppelkapelle, die eines der wenigen erhaltenen Beispiele dieses seltenen mittelalterlichen Kirchentyps darstellt.

Lage/Anfahrt/Kontakt:

Die Burg Lohra liegt in Großlohra im thüringischen Landkreis Nordhausen. Führungen nach telefonischer Anmeldung unter 03643/502390

www.openhouses.de

Wasserburg Zilly

Eine Wasserburg ohne Wasser? Nicht ganz. Ein kleiner Teich vor der Anlage zeugt noch heute von der einstigen Bestimmung der Anlage. Umgeben von gleich zwei Wassergräben mit einem Zwischenwall, diente die Burg Zilly ab dem 12. Jahrhundert als befestigter Unterschlupf auf der Handelsstraße von Braunschweig über Osterwieck nach Halberstadt.

Die Burg hat eine wechselvolle Geschichte: Im 12. Jahrhundert waren die Grafen von Regenstein durch die Bischöfe vonHalberstadt mit der Burg Zilly belehnt. Zweihundert Jahre und etliche Erweiterungsbauten später gerieten die Regensteiner Grafen vermehrt in Geldnöte und verpfändeten die Burg in verschiedenste Hände. Ab 1504 gingen Ort und Burg wieder vollständig an die Bischöfe von Halberstadt, die die Burg in ein Amt umwandelten. 1810 wurde die Wasserburg Zilly zur preußischen Staatsdomäne erklärt.

Die Kernburg – bestehend aus Palas, Küchengebäude, Torhaus, Wirtschaftsgebäude und Bergfried ist vollständig erhalten. Das Wohnhaus in der Vorburg wird als Kindertagesstätte genutzt. Besonders beliebt ist die schöne, kleine Burg für Hochzeiten.

Lage/Anfahrt/Kontakt:

Die Burg befindet sich in Egeln und ist über die B81 direkt mit dem Auto erreichbar. Besichtigungen der Anlage sind tagsüber möglich. Für Führungen durch den Förderverein bedarf es einer telefonischen Anmeldung (039421-793401).

Burg Lutter

Die Burg Lutter ist sehr alt – doch wie alt genau, weiß man nicht. Weder Bauherr noch Baudatum sind bekannt. Als wahrscheinlich gilt, dass am heutigen Standort bereits vor dem 10. Jahrhundert befestigte Anlagen errichtet wurden. Die Burg selbst ist wohl um das Jahr 1000 als Wasserburg gebaut worden. Damals erwarb der Bischof Johann von Hildesheim die Burg vom Ritter Ekbert von Lutter. Die erste urkundliche Erwähnung fand sie dagegen erst 1259.

Die Geschichte ist gekennzeichnet von wechselndem Lehnbesitz, Belagerungen und Veräußerungen. Ab 1323 war die Anlage für 200 Jahre im Besitz des Bistums Hildesheim. Mehrere Adelsfamilien wurden in dieser Zeit Pfandinhaber. 1523 fiel die Burg an das Herzogtum Braunschweig.

Eingang in die Geschichtsbücher fand die Burg nicht zuletzt durch ihre Rolle im Dreißigjährigen Krieg. Im August 1626 trafen in der Schlacht von Lutter die kaiserlichen Truppen der Katholischen Liga unter Feldherrn Tilly auf das prosetstantische Herr und Dänenkönig Christian IV. aufeinander. Letzter verlor in einer verlustreichen Auseinandersetzung und konnte fliehen. 2000 seiner verbliebenen Soldaten retteten sich zunächst auf die Burg Lutter, ergaben sich aber noch vor Beginn der Belagerung. 200 Offiziere sollen daraufhin noch auf der Burg hingerichtet worden sein.

Nach dem Krieg wurde die Burg Lutter für Jahrhunderte landwirtschaftliche Staatsdomäne Nach der Auflösung 1964 wurden die Ländereien veräußert, einzelne Gebäude wurden abgerissen. Für die Baulichkeiten der Burg gab es weder Verwendung noch Kaufinteressenten. Die Anlage war dem Verfall preisgegeben.

Seit 1980 ist die Burg im Besitz der Kommune Lutter, von deren Mitgliedern sie bewohnt, bewirtschaftet und schrittweise saniert wird. Die Anlage ist insgesamt sehr gut erhalten. Besucher können den imposanten Bergfried, das dreigeschossige Herrenhaus sowie den gotischen Palas besichtigen.

Lage/Anfahrt/Kontakt:

Die Burg liegt etwa 15 Kilometer von Goslar in Richtung Hildesheim. Es gibt keine offiziellen Öffnungszeiten. Die Mitglieder der Kommune sind offen für alle Gäste, erwartet jedoch ein rücksichtsvolles Verhalten bei der Außenbesichtigung der Anlage. Auch Führungen sind nach telefonischer Anmeldung möglich.

www.burg-lutter.de